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Im römischen Schloßau gab es eine Markthalle Grabungen im Neubaugebiet „Burggewann“ wurden jetzt abgeschlossen – Holzturmhügel „In der Schneidershecke“ freigelegt

Schloßau. Für Dr. Britta Rabold ist sie „der spannendste Punkt am gesamten Odenwaldlimes“ – die Wachtturmstelle WP10/37 „In der Schneidershecke“, ca. einen Kilometer nordwestlich des Kastells Schloßau.

Das war aber nur einer der Gründe, warum die Leiterin der archäologischen Denkmalpflege am Regierungspräsidium Karlsruhe gerade diese inzwischen zu einer richtigen „Schauanlage“ ausgebaute Stelle auswählte, um im Rahmen eines abschließenden Gespräches mit der Rhein-Neckar-Zeitung am Donnerstag die Ergebnisse der nach insgesamt acht Jahren vorläufig letzten Grabungskampagne im Schloßauer Neubaugebiet „Burggewann“ vorzustellen. Der zweite Grund war die Anfang des Jahres begonnene und jetzt fertiggestellte Freilegung und genauere Untersuchung des Holzturmhügels an eben dieser Wachtturmstelle. Dort haben die Römer bei der ersten Limesbefestigung um 100 bis 110 n. Chr. den ersten, damals noch aus Holz bestehenden Turm errichtet und den ihn umgebenden Ringgraben ausgehoben.
Die flache Hügelkuppe war zwar noch zu erkennen, aber mit Bäumen und Sträuchern völlig überwuchert und zugewachsen. Sie wurde jetzt ebenso wie der Ringgraben mit einem Durchmesser von etwa 20 Meter freigelegt. „Wir sind froh, letzte Reste des Turmes gefunden zu haben“, freute sich Dr. Rabold, denn bei der früheren Untersuchung, die übrigens nicht durch die Reichslimeskommission erfolgte, sei „mehr kaputt als gut gemacht“ worden. Der Holzturm stand ehemals auf einem ca. 5,5 mal 5,5 Meter großen steinernem Fundament mit Kanthölzern. Der Ringgraben diente einmal der Entwässerung, sicher aber auch als eine Art „Annäherungshindernis“, vermutet Dr. Rabold. Durch die Freilegung dieser Turmstelle habe man die seit 2006 zur „Schauanlage“ ausgebaute Wachtturmstelle „In der Schneidershecke“ nochmals bedeutend erweitert. Einzig am WP 10/30 „In den Vogelbaumhecken“ bei Hesselbach sei noch ein Holzturm am Odenwaldlimes ausgegraben und konserviert worden.
Um 145 n. Chr. sind die Holztürme am Odenwaldlimes durch Steinbauten ersetzt worden, was anhand von aufgefundenen Bauinschriften ziemlich genau datiert werden kann. Um 150 bis 160 n. Chr. sei der Odenwaldlimes verlassen worden und der äußere Limes, der bis 260 n. Chr. bestand, bildete die neue Grenze zum Römischen Reich.
„Im Gesamtergebnis einzigartig“,lautet das Resümeé von Dr. Britta Rabold nach Abschluss der Grabungsarbeiten im „Burggewann“. Auch dieses Jahr habe man bei den Untersuchungen wieder viele neue Erkenntnisse über die Größe der antiken Zivilsiedlung, des Kastellvicus, gewonnen. „Ich hätte nie gedacht, dass zu einem Kastell in dieser Größenordnung (ein sogenanntes Numeruskastell mit einer Besatzung von 120 bis 150 Soldaten) eine solch große Siedlung gehört“. Überrascht war Dr. Britta Rabold auch über das Vorhandensein eines großen, wohl öffentlichen Gebäudes in der Art einer Markthalle mit mehreren kleinen Kellern, auf die man westlich der römischen Straße gestoßen ist. Diese, auf eine Länge von rund 25 Meter aufgedeckte, mit Sandsteinen gepflasterte Straße, führte einst vom Kastelldorf kerzengerade zum Kohortenkastell Oberscheidental. „Da wurde wohl regelrecht Handel betrieben und diverse Waren umgesetzt“, vermutet Dr. Rabold. Wie groß die Halle genau war, lässt sich heute nicht mehr feststellen, sie konnte allerdings auf einer Fläche von mindestens 1<TH>000 Quadratmetern nachgewiesen werden.
„Wir haben den vicus in großen Ansätzen ausgegraben“, ergänzt Grabungstechniker Siegfried Reißing, „insgesamt etwa 10<TH>000 Quadratmeter“. Zusätzlich wurden 11<TH>000 Quadratmeter geophysikalisch untersucht, in der Hoffnung, die Limeslinie, die bei Schloßau einen leichten Knick macht, zu finden. „Leider ohne Erfolg“. Hinsichtlich des Kastellbades habe man frühere Untersuchungen nochmals verifiziert und verfüge jetzt über exakte Messdaten.
Abschließend dankte Dr. Britta Rabold allen, die die Arbeiten in den vergangenen Jahren unterstützend begleitet haben: u.a. die Leiningen’schen Forstverwaltung, die Gemeinde Mudau, ein „harter Kern“ von engagierten und fleißigen Helfern um Grabungstechniker Reißing und natürlich der Verein „Örtliche Geschichte Schloßau“, der auch künftig ein Auge auf die römischen Hinterlassenschaften haben wird.
Christoph Müller von der Gemeinde Mudau wies noch darauf hin, dass die Wachtturmstelle „In der Schneidershecke“ auch im nächsten Jahr wieder in das Programm des Aktionstages „Am Limes grenzenlos“ am 5. Juni einbezogen werden soll. Bis dahin, so hofft nicht nur Dr. Rabold, werden auch die neuen Infotafeln montiert sein. (von Alexander Ott)



BUZ1:
Die Überreste des ältesten Turmes an der Wachtturmstelle WP10/37 „In der Schneidershecke“ bei Schloßau wurde als begleitende Maßnahme zu den jetzt abgeschlossenen archäologischen Untersuchungen im Neubaugebiet „Burggewann“ freigelegt. Zu erkennen ist ein kleiner Hügel mit einem Ringgraben. Für die Leiterin der archäologischen Denkmalpflege am Regierungspräsidium Karlsruhe, Dr. Britta Rabold (3.v.l.), ist dies eine wertvolle Erweiterung für den „spannendsten Punkt am gesamten Odenwaldlimes“. Mit auf dem Bild Grabungstechniker Siegfried Reißing (2.v.l.) mit dem seit acht Jahren engagierten harten Kern von Helfern sowie Christoph Müller von der Gemeinde Mudau. Foto: A. Ott


BUZ2:
Der Holzturmhügel am Wachtposten „In den Schneidershecken“, dem einzigen Punkt am Odenwaldlimes mit zwei Steintürmen, wurde jetzt näher untersucht und freigelegt. Ging man übrigens früher davon aus, dass zunächst der Steinturm B als Ersatz des Holzturmes errichtet wurde und nach dessen Umwandlung in ein Heiligtum noch vor Abzug der Truppen Steinturm A gebaut wurde, gilt jetzt unter Berücksichtigung der neuesten Forschungsergebnisse eine andere Abfolge der Turmbauten: Steinturm A wurde 145/146 n. Chr. als Ersatz für den Holzwachtturm errichtet und Turm B als Heiligtum erst nach Abzug der Truppen. Repro: A. Ott