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Festakt anlässlich 700 Jahre Scheidental

Scheidental. „Es kann jeder etwas und wir sind Scheidental!“ Dieser Satz spiegelt eine der Charakterstärken der „Schernemer“ wider, die schon immer und nachweislich zusammen gestanden sind – nicht immer zwischen Unter und Ober – aber sie haben durch diese Art in dem kleinen Ort Beachtliches geleistet.

Das war sogar in Stuttgart aufgefallen, wo diese besondere Dorfgemeinschaft im Jahr 2005 durch Ministerpräsident Günther Oettinger für ihr bürgerschaftliches Engagement ausgezeichnet wurde. „Wir sind Scheidental“ hätte auch die Überschrift des Auftaktabends zum Jubiläumsjahr „700 Jahre Scheidental“ sein können, zu den Ortsvorsteher Klaus Schork im „ausverkauften“ VfR-Sportheim auch eine ganze Reihe an Ehrengästen begrüßen konnte. Darunter Landrat Dr. Achim Brötel, Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger, OV a.D. Artur Müller, zahlreiche Kreis-, Gemeinde- und Ortschaftsräte sowie Delegationen des HVV Mudau und des VöG Schloßau/Waldauerbach. Die „Scheidentaler Art“ war dann auch Hauptthema der Grußwortredner. Bürgermeister Dr. Rippberger meinte „Wenn der Scheidentaler weiß, was er will, nimmt er sein Ziel penetrant in Angriff und zwar mit Mann und Maus“. Dieser Mudauer Ortsteil sei aber auch in wirklich allen Bereichen an maßgeblicher Stelle vertreten. Seiner Vermutung nach sei die Dorfgemeinschaft hier so lebendig, weil die Männer die Macht, die Frauen jedoch das Sagen hätten. Dr. Brötel erinnerte an die Reproduktion der Scheidentaler Fahne und deren Einweihung unter dem Motto „So lange so viel Fahnen wehn, wird Scheidental nicht untergehn“. Seine Bewunderung galt dem Heimatgefühl der Scheidentaler mit ihrer Kreativität und Leistungsbereitschaft. Sein Lob den Verantwortlichen vor Ort, namentlich Ortsvorsteher Schork, der wie zuvor Artur Müller in vorbildlichem Einsatz dieser Dorfgemeinschaft „vorstehe“, die zu Recht ihr Licht nicht unter den Scheffel stelle. „So senn se halt, die Scheidentaler“ zeichnete Hans Slama vom Heimat- und Verkehrsverein Mudau anhand einiger historischen Begebenheiten auf und sein Kollege Thomas Müller vom Verein örtliche Geschichte Schloßau/Waldauerbach, dokumentierte, dass die Verbundenheit zwischen Schloßau und Scheidental bereits seit der Römerzeit im Kampf liege. Franz Milley, Jagdpächter und waschechter Wahl-Scheidentaler zeigte sich auf seine knoddrige Art begeistert von seiner zweiten Heimat, auch wenn die Jagdpacht von Jahr zu Jahr wegen der hochintelligenten Odenwälder Wildschweine eine schwereres Los werde. „700 Jahre Scheidental“ bezieht sich nicht auf die Entstehung des Ortes, der ja schon im Jahre 90 nach Christus besiedelt war, sondern um die urkundliche Erstnennung von Scheidental am 27. Juli 1310 als „Scheidner“. Die Ausdrucks- und Schreibweise änderte sich in Schedennere, Ober- und Unter-, dann in villa Ober- und Underscheidenen, -scheidenner, -scheydener, -scheydenthal und schließlich in Ober- und Unterscheidental bzw. mundartlich „Scherne“. Ortsvorsteher Schork erläuterte weiter, dass „scheiden“ mit trennen gleichzusetzen sei oder Scheid als Grenze und vermutlich auf die Talscheide zwischen Main und Neckar zurückzuführen sei. „Jeder kann etwas und wir sind Scheidental“ zeigte dann auch das kurzweilige Festprogramm im ansprechend dekorierten Sportheim. Da präsentierten sich der Katholische Kirchenchor und der 700 Jahre-Projektchor unter Dirigentin Margarete Galm mit gekonnten Liedvorträgen, Marliese Trunk rezitierte Heimatgedichte ihres Onkels Wilhelm Trunk und Werner Walter las aus dem Tagebuch seiner Vorfahren, die als Feld- und Ordnungshüter genau Buch geführt hatten über die Straftaten im Ort und deren Strafmaße. Bei diesen „Bekanntmachungen“ wechselten die Emotionen im Publikum hörbar zwischen Staunen und Lachen. „700 Jahre Scheidental“ waren den Heimatkundlern Herbert Knapp und Klaus Schork etwa 630 Jahre zu lang für einen kurzweiligen Abend. Ein guter Grund für die beiden, nach der kurzen Entstehungsgeschichte des Ortsnamens auf das Heimatbuch von Hans Slama zu verweisen und mit ihrem Referant am 31. März 1935 zu beginnen, als Ober- und Unterscheidental noch zwei selbstständige Gemeinden waren. Diesen habe die Unterzeichnung des Eingliederungsvertrages – manche hätten es auch Kapitulationserklärung genannt – im Jahre 1974 durch die Bürgermeister Bucher und Wasner ein Ende gesetzt. Kurz darauf trat Wasner nach 20 Jahren Dienstzeit zurück und fand einen würdigen Nachfolger in Ortsvorsteher Artur Müller, der 25 Jahre im Amt blieb und 1999 durch Klaus Schork abgelöst wurde. Erstaunlich sei, so die beiden Referenten, dass die Einwohnerzahl des Ortes von 1939 bis heute mit rd. 450 eine ungewöhnliche Stabilität zeige. Doch die Streitbarkeit der Schernemer sei vermutlich zu allen Zeiten die gleiche gewesen, das zeigten zunächst die Eintragungen der Feldhüter Walter, aber auch die heftigen Auseinandersetzungen mit diversen Ämtern und Behörden. Die Scheidentaler wehrten sich gegen die zentrale Wasser- und Abwasserversorgung genau so heftig wie gegen das Landratsamt wegen der Umklammerung und Durchtrennung des Ortes durch Landschafts- und Wasserschutzgebiete oder gegen das Denkmalamt mit seinen Auflagen bezüglich des Römerkastells mit seinen 2,1 Hektar Fläche. Stolz war man auf das 1951 gegründete Schwesternhaus mit Kindergarten und Nähschule. Auch damals schon war die Eigenleistung der Scheidentaler gewaltig. Leider wurde schon 1974 die Schwesternstation aufgelöst und der Kindergarten schließt seine Pforten noch in diesem Jahr. Herbert Knapp und Klaus Schork ließen nichts aus. Da war Kirchenabriss und –neubau genauso Thema wie das 1929 entstandene Kriegerdenkmal, die Beschreibung, Alt- und Neubeschaffung der örtlichen Fahne, die Schulgeschichte sowie die Einweihung der Leichenhalle 1976 und des neuen Rasensportplatzes 1979 als Teile des Eingemeindungsvertrages. Besonders positiv wirkten sich die neuen Ortsdurchfahrten von Scheidental und Reisenbach unter Bürgermeister Wilhelm Schwender aus. Das kommunale bürgerschaftliche Engagement wird besonders deutlich im Neubau von Feuerwehrgerätehauses, Jugendraum und Kinderspielplatz, Bildstocksanierung und Sanierung Rathaus. Abschließend hoben Herbert Knapp und Klaus Schork die Bedeutung der modernen Landwirtschaft für Scheidental hervor, die auch die Entscheidung für die Flurneuordnung mit Fördermitteln in Höhe von knapp drei Mio. Euro voran getrieben hätte. Herbert Knapp schloss den Bericht mit dem Wunsch „Scheidental möge für die Scheidentaler immer der Mittelpunkt der Welt sein, dann können wir die nächsten 700 Jahre mit Freude begrüßen.“ Alfred Münch und Wolfgang Hofmann hatten eine begleitende Fotoausstellung von „Scheidental gestern und heute“ inklusive dem Liegenschaftskataster Scheidental von 1877 – 18080 und heute zusammengestellt und ein eigens gegründeter Schernemer Jubiläums-Männerchor setzte mit der neu gestalteten „Schernemer Hymne“ unter Leitung von Hermann Hogen einen gekonnten Schlusspunkt unter den offiziellen Teil des Abends, dem im Jubiläumsjahr noch einige folgen werden. Nach Aussage des Ortsvorstehers sollen alle Veranstaltungen etwas bieten, was es bisher noch nicht gegeben hat. Nach der Fahrzeugweihe bei der örtlichen Feuerwehr und der Geburtstagsveranstaltung der Ecke-Narre wird am 30. April und 1. Mai „Maibaum und Rindenschälen“ auf dem Programm stehen. Am 15. Mai und 27. Juni werde „Kirche“ das Thema sein und von 16. bis 19. Juli das VfR-Sportfest. Danach werden sich viele Scheidentaler im „Kleinen Bauerntheater“ auf dem ehemaligen „Hammersch-Hof“ einbringen und am 12. September wird das Thema Forst- und Landwirtschaft mittels Maschinenausstellung, Fleckviehschau und Schlepper-Oldtimer-Treffen behandelt. Ihren Abschluss findet die Veranstaltungsreihe in Schlachtfest, Martinsumzug, Seniorennachmittag und Gedenkfeier zum Volkstrauertag und Allerheiligen. (L.M.)

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Beiträge März 2010