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Kreiserntedankfest

Mudau. Die Mudauer Odenwaldhalle am vergangenen Sonntag zu betreten, entpuppte sich schon im Foyer als wahre Augenweide. Mit viel Liebe zum Detail hatte die Mudauer Landfrauen die Mehrzweckhalle zum Kreiserntedankfest unter dem Thema „Erntedank – in Zeiten weltweiter Globalisierung“ üppig geschmückt und für die musikalische Ausschmückung sorgte in gewohnt routinierter Art der Musikverein „Harmonie 1872“ Mudau unter Leitung von Dirigent Ralph Müller.

„Danken und Dankbarkeit sind Grundhaltungen in unserem Leben. Sie bestimmen früher wie heute unser persönliches Wertgefühl im Umgang mit Mensch und Natur“, so Theo Schadt, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, im Rahmen seiner Begrüßung. Wobei er einen besonderen Willkommensgruß an den 1. Landesbeamten Michael Knaus, Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger sowie den Hauptreferenten der Veranstaltung, Dr. Ewald Glaser (Vorstandsvorsitzender der ZG Raiffeisen Karlsruhe) richtete. Weiter begrüßte er MdL Kurt Segner, Siegfried Hornung als Ehrenvorsitzendes des Kreisbauernverbandes, Kreisrat Herbert Münkel sowie die Vertreter von Kirche und Behörden, landwirtschaftlichen Organisationen, Ämtern und Fachschule. Schadt hob in seinen Ausführungen hervor, dass gerade in diesem Jahr auch im Neckar-Odenwald-Kreis deutlich geworden sei, dass die Landwirte ihre Produktionsbedingungen und Erträge sowie Qualität nur zum Teil selbst bestimmen können. Noch immer sei die Ernte eine Gabe Gottes, für das man dankbar sein müsse. Er führte weiter aus, dass die Landwirtschaft der EU immer mehr der Konkurrenz auf dem Weltmarkt ausgesetzt sei und die damit verbundenen Veränderungen den Strukturwand in dieser Branche verschärfe. „die Politik ist sicher gut beraten, wenn sie sich über die Bedeutung einer flächendeckenden Landwirtschaft und über eine notwendige Grundversorgung mit einheimischen gesunden Nahrungsmitteln bewusst wird“, schloss Schadt seine Ausführungen. Michael Knaus, 1. Landesbeamter des Neckar-Odenwald-Kreises, empfahl „spätestens, wenn die Kinder fragen, wo bei der Kuh die Butter rauskommt, hilft noch eins – Urlaub auf dem Bauernhof. Und das möglichst im Neckar-Odenwald-Kreis“. Dies sei eines der neuen Tätigkeitsfelder, die sich die Landwirte zur Sicherung ihrer Existenz erschlossen hätten, und es habe sich bereits zu einem touristischen „Renner“ entwickelt. Des weiteren hätten die zahlreichen Hofläden zu einem attraktiven Anziehungspunkt im Kreis avanciert, zumindest beim gesundheits- und umweltbewussten Verbraucher. Und ganz neue Perspektiven eröffneten sich für die Landwirtschaft auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien. „Biomasse“ heißt das Zauberwort der Zukunft. Abschließend versprach er den Landwirten auch nach der Eingliederung des Landwirtschaftsamtes eine optimale Betreuung, die aufgrund vieler Dienstleistungen unter einem Dach sogar noch besser werden könnte. Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger betonte in seinen Grußworten zum einen den hohen Stellenwert des Kreiserntedankfestes als krönenden Abschluss der Neckar-Odenwald-Tage, zum anderen wie ideal gerade Mudau sich als Austragungsort eigne. Da über 97 Prozent der Gemeindeflächen landwirtschaftlich bearbeitet werden. Die grundlegende Entwicklung dieser Berufssparte verlaufe ähnlich wie in anderen Orten, die Arbeit verteilt sich nur noch auf wenige Landwirte und um den Kernort herum in den Teilgemeinden. Darüber hinaus habe die Landwirtschaft der Gemeinde den hohen Erholungswert des Odenwaldes bewahrt. In seinem Referat mit dem Thema „Erntedank – in Zeiten weltweiter Globalisierung“ fragte Dr. Ewald Glaser, Vorstandsvorsitzender der ZG Raiffeisen Karlsruhe nach dem Zusammenhang wischen Danken und Denken, und danach ob Danken eine Art Lebenseinstellung sei, die einem hilft, das Leben zu meistern. Er betonte, dass die Globalisierung eine Realität sei, die unsere Gesellschaft enorm verändert hat. Die Welt werde kleiner, der Wohlstand neu verteilt, Mobilität zu einem persönlichen und wirtschaftlichen Muss. Der Faktor Religion werde gleichzeitig in den Hintergrund gestellt und Englisch sei die Sprache der Globalisierung. Ermöglicht werde sie einerseits durch die Liberalisierung des Welthandels, andererseits durch das Internet und die bisher so billige Energie. Als Schattenseiten der Globalisierung sah Dr. Glaser die Anomyisierung der Menschen, ihre Entwurzelung und Orientierungs- und damit eine gewisse Heimatlosigkeit. Die zunehmende Geschwindigkeit dieser Entwicklung sei für viele Menschen nicht mehr zu bewältigen, schon aufgrund des Verlustes gemeinsamer Wertvorstellungen und der damit verbundenen Familienfeindlichkeit. „Diese negativen Seiten lassen dem Erntedankfest wieder eine ganz neue Bedeutung zukommen. Denn wer Heimat nicht kennt, dann die Globalisierung nicht meistern“. Und genau darum ginge es. Die Vorteile der Globalisierung zu nutzen, ohne daran zugrunde zu gehen. Wir müssten wieder lernen, die Zeichen zu deuten, damit unsere vielen Bräuche nicht zu verstaubtem Brauchtum mutieren. Dazu gehöre auch das „Inne halten“, Kraft sammeln, um unseren Schwung nicht zu mindern. Und genau das führe uns wieder zu der Wertigkeit von Danken und Denken. Den positives Denken wirke sich automatisch auch positiv auf unser Handeln und die so wichtigen positiven Zahlen aus. Da Erntedank in ausnahmslos allen Kulturen zu finden sei, folgerte Glaser: „Danken ist tatsächlich eine Lebenseinstellung.“ Diese nachvollziehbare Begründung unterstrichen die Kreisvorsitzende der Landfrauen, Ingrid Hasse, und Kreisgeschäftsführerin Heidi Becker in ihren Worten zum Erntedank, die von der Bedeutung dieses bäuerlichen Brauchtums seit Urzeiten zu der Erkenntnis führten: „Die Beschreibung der Vergangenheit kann nicht Selbstzweck sein, die Gestaltung der Zukunft, aus dem Geist unserer Ahnen, ist das Hauptanliegen. Nachweislich habe die Wiedereinführung und Neubelebung alter Bräuche – vor allem im ländlichen Raum – die Verbindung zur Vergangenheit und zu den Wurzeln wieder hergestellt. Mit der Überreichung der Erntegaben an die Kindergärten der Gemeinde Mudau durch Theo Schadt und die Grußwortredner wurde das Hauptanliegen des Erntedankfestes – Ausdruck der Dankbarkeit – besonders deutlich und durch den „Ernte- oder Bändertanz“ der Landjugend farbenfroh untermalt. (L.M.)