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"Mars, Salus und Victoria" grüßen wieder "In den Schneidershecken"

Schloßau. In Schloßau wird die römische Geschichte seit 2003 lebendig. Genauer seit Dr. Britta Rabold und ihr Team von der Achäologischen Denkmalpflege des Regierungspräsidiums Karlsruhe angefangen haben, die Zivilsiedlung des Numerus von Titus Manius Magnus frei zu legen, um nahezu revolutionäre neue Erkenntnisse zu gewinnen.

Die Schloßauer selbst, und vor allem ihr Verein örtliche Geschichte wurden dabei zum Wegbegleiter der Archäologen. Als vorläufige Krönung dieser Teamarbeit konnte am vergangenen Wochenende der komplett neu konservierte und sanierte Wachposten 10/37 „In den Schneidershecken“ mit der nachgebildeten Göttergruppe Mars, Viktoria und Salus seiner Bestimmung übergeben werden. Neben den rund zweihundert historisch interessierten Wanderern konnte Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger auch eine große Zahl an Ehrengästen Willkommen heißen. Darunter Erster Landesbeamter Martin Wuttke, Bürgermeister i. R. Wilhelm Schwender, Dr. Britta Rabold und Karin Prell von der Förderstelle des Neckar-Odenwald-Kreises. Von der Fachsanierungsfirma Walz aus Sensbachtal war Herr Schlick angereist, selbst ein Vertreter der Firma Weinreuter, die die Gottheiten nachgebildet hatte, war vor Ort. Ebenso wie die Limes-Cicreone Slama und Trunk, drei römische Legionäre in voller Ausrüstung, Vertreter von Schulen, Kreis-, Gemeinde- und Ortschaftsrat und natürlich des Vereins „Örtliche Geschichte Schloßau/Waldauerbach“ mit seinem Vorsitzenden Thomas Müller an der Spitze. Nachdem man bereits am Ausgrabungsort „Im Burggewann“ interessante Neuigkeiten über den technisch und praktisch hohen Bildungsstand der Römer durch Dr. Rabold erfahren hatte, den die Ausgrabungen den Zivilsiedlung den Wissenschaftlern bisher offenbart hatten, gestaltete sich die Übergabe der Gottheiten an der Schneidershecke zu einem fröhlichen Fest. Hier erinnerte Bürgermeister Dr. Rippberger daran, dass sich die Gemeinde seit Errichtung des Limes-Lehrpfades im Jahr 1978 intensiv um ihre Römer kümmere. Und endlich sei durch Förderungen des Landes sowie der Stiftung Denkmalschutz und durch einen Anteil an Eigenmitteln so viel Finanzkraft zusammen gekommen, dass eine Sanierung der Hauptpunkte möglich ist. Und Dank des Vereins ÖGS (örtliche Geschichte Schloßau/Waldauerbach) und der hervorragenden Arbeit der Fachfirma Walz sowie dem kooperativen Grundstückseigner Andreas Fürst zu Leiningen erstrahle die Schneidershecke nun in ungeahnt schönem Glanz. Mit den nachgebildeten Gottheiten am Heiligtum könne die Gemeinde ihr Erbe nun wirklich würdig präsentieren. Dr. Britta Rabold erläuterte, dass mit diesem Fest ein langer Prozess endlich ein gutes Ende nähme. Gerade der Wachposten Wp10/37 nördlich von Schloßau strahle einen besonderen Charme aus. Es gäbe unter den insgesamt 80 Turmstellen des Odenwaldlimes auch nur einen wie die „Schneidershecke“. Errichtet wurde er für ca. 120 bis 130 Jahre etwa 120 n. Chr. Mit Limes-Wachturm und Heiligtum, das die Gottheiten beherbergte. Nachdem die Erste Sanierung etwa vor 35 Jahren durchgeführt worden war, sei es nun wirklich höchste Eisenbahn für eine grundlegende und fachgerechte Konservierung gewesen. Und diese erläutere Thilo Schlick von der zuständigen Firma Walz. Demnach wurde zunächst der Bewuchs entfernt und dann das Mauerwerk mit einer Art Dampfstrahler vom Belag befreit. Erst dann sah man das ganze Ausmaß des zerstörten Mauergefüges. Lose Steine wurden noch einmal gereinigt und katalogisiert, die anschließende Neuverfugung von Hand war aufwändig aber notwendig ebenso wie die Rekonstruktion des Mauerwerks. Doch man merkte: Der Mann weiß von was er spricht. Martin Wuttke, 1. Landesbeamter des Neckar-Odenwald-Kreises stützte sich auf ein Zitat von Hans von Keler: „Geschichte ist nicht nur Geschehenes, sondern Geschichtetes – also der Boden, auf dem wir stehen und bauen“. Man hörte ihm seine Bewunderung für die ingenieurtechnischen und künstlerischen Leistungen der Römer an. Und als Beispiele nannte er neben dem ausgeklügelten Bewässerungssystem den 80 Kilometer langen, schnurgerade verlaufenden Teil des vorgelagerten obergermanischen Limes sowie die Statuen von Mars, Salus und Victoria. Martin Wuttke überreichte im Rahmen von „Limes grenzenlos“ die neue Beschilderung des Limeslehrpfades, die Dank großzügiger Förderung durch das Land Baden-Württemberg sowie mit Mitteln der Gemeinde Mudau und des Neckar-Odenwaldkreises durchgeführt werden konnte und die in allen drei Bundesländern des Odenwaldlimes einheitlich verläuft. Die Dankbarkeit um die offizielle Übergabe der neu konservierten „Schneidershecke“ mit Beschilderung und Gottheiten war den nun folgenden Grußworten von Ortsvorsteher Herbert Münkel, Hans Slama im Namen des Heimat- und Verkehrsvereins sowie der Limes-Cicerone und Thomas Müller als Vorsitzendem des Vereins örtliche Geschichte Schloßau/Waldauerbach zu entnehmen. Detaillierte Erläuterungen zu den Ausrüstungen der anwesenden Legionäre sowie ein pfiffiges Theaterstück um das Leben an den Limes-Wachtürmen vom Schlossemer Strouhbischel-Theater rundeten den perfekt VÖGS-bewirteten Festtag „in den Schneidershecken“ ab. (L.M.)