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G'schmackvolle deftig bayerische Kost in Mudau

Mudau. „G’schmackvoll“ im Sinne des kulturellen Niveaus waren zweifellos alle bisherigen Veranstaltungen unter dem gleichnamigen Mudauer Vereinszusammenschluß von KaGeMuWa und Gesangverein. Das gilt gleichermaßen für den Abend mit Rolf Miller wie für den akustischen Genuß der Sweetheart Sharks.

Doch nun setzten die Wassersucher bei dem Abend mit der „Couplet AG“ und deren Programm „Brot für Bayern“ auch kulinarisch G’schmackvoll „all inclusive“ noch eins drauf. Die festlich-bayrisch geschmückte Odenwaldhalle erhielt bei gedämpfter Beleuchtung und durch leise Kaffeehaus-Hintergrundmusik mit Ralf Breunig am Flügel ein außerordentlich persönliches und vornehm kuscheliges Flair und damit nach dem Begrüßungstrunk im Foyer Restaurant-Ambiente der gehobenen Klasse mit einem deftigen Hauptgang der gleichen Kategorie. Der anschließende „Verdauer“ bereitete das ausverkaufte Haus auch schon auf die schwer verdauliche, aber perfekt kredenzte kabarettistische Kost der vier Bayern vor. Ihren Namen haben sie von kleinen meist witzigen Strophenliedern abgeleitet, und zwar mit dem Zusatz AG für Arterhaltungsgesellschaft. Dazu haben sie die traditionelle Liedform des Couplets kräftig entstaubt und wieder mit neuem Leben erfüllt – ungehemmt und ungehobelt setzen Anna M. Spies, Jürgen Kirner, Bernhard Gruber und Hans Dettenhofer die satirische Operation zielsicher da an, wo es am meisten schmerzt. Und da vollkommen ohne Hemmungen. Ob beim „Dutzi, Dutzi, Dädädä“ über die mickrig kleine Bayern-SPD oder mit dem entrückten Dr. Kudernak auf der Suche nach seiner Rente. Sie nahmen ihr Publikum mit in die Niederungen und den Sumpf bayrischer Ungereimtheiten, ausschließlich bewaffnet mit messerscharfen Gedanken, Satire, Witz, Maultrommel, Diatonischer, Gitare und Mundwerk, gnadenlosem Witz und Schärfe. Sie proklamierten sehr eindrucksvoll den Unterschied Ordensverleihung und Ordensverschenkung ganz nach der Devise „Wer will noo einen, wer hoot noo keinen“, und Anwärter fanden sie genug, darunter auch den Stoiber. Ihre unvergleichlich Spottlust traf die Skrupellosigkeit von Politikern ebenso wie die Eingefahrenheit des Deutschen Beamtentums mit der Steuerlich voll abzugfähigen Beamtenpatenschaft oder die zunehmenden Werbeziele im Seniorenalter, wo ein Eheinstitut rät „Nehmen’s an Olden, der ist besser zum holden“. Sie nahmen weder verbal, noch musikalisch ein Blatt vor den Mund. Und wenn der Mann im Gesicht schon jede Menge Falten hat, so könnte es doch auch eine Region bei ihm geben, die noch ganz schön ist. Und wenn Jürgen Kirner und Anna M. Spies die Urin-Therapie vorstellen, bleibt kein Auge und kein Gefäß trocken. „Wenn’s hilft! Stellen’s eaner doch net so oo.“ Egal, was „Die Couplet AG“ anpackte, sie traf hundertprozentig, vor allem aber das Zwerchfell ihres Publikum. Die zwanghaften Lachattacken wurden von teils ohrenbetäubendem Beifall begleitet. Und so wie sich die Couplet AG den lautstarken Lohn seines begeisterten Publikums verdient hatte, so war den zwerchfell-strapazierten Gästen im Gourmettempel „Odenwaldhalle“ sein abschließender Vormitternachtssnack mit Unterhaltungsmusik von Ralf Breuning vergönnt. Ein Abend, den wohl keiner der Saalgäste so schnell vergessen wird, und der „Mudau G’schmackvoll“ eine weitere qualitative Steigerung fast unmöglich macht. Obwohl Marco Scheiwein in seiner Begrüßung der Meinung war, dass es leichter sei den Mund statt einer Rede zu halten, hat „Mudau G’schmackvoll“ sein Bestreben, die Mudauer mit wirklich exquisiter Kultur zu verwöhnen, bisher hundertprozentig eingehalten. Jüngst auch nach dem „Scheiwein-Couplet“ „Nicht alles, was zwei Backen hat, ist ein Gesicht, nicht alles, was sich reimt, ist ein Gedicht“. (L.M.)