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Tag der offenen Tür in der Fachklinik Waldleiningen

Waldleiningen. Über viele Jahre hatte er sich immer wieder in der Psychosomatischen Klinik Schloss Waldleiningen beworben, der Assistenzarzt und Konzertpianist Wolfgang Ellenberger. Und wie er jetzt am Deutschen Reha-Tag und Tag der offenen Tür in Waldleiningen berichten konnte, zahlte sich seine Beharrlichkeit aus.

Als jüngstes Mitglied im Team um Chefarzt Dr. Stephan Gelbhaar und Facharzt Paul Schuh hat er Waldleiningen vor zig Jahren durch Zufall entdeckt und sofort Gänsehaut bekommen. Nicht nur, weil dieses Kleinod im Odenwald jedem ersten Betrachter den Mund vor Staunen offen stehen läßt, sondern auch wegen des ganz besonderen Ambientes. Die Betreuung der Patienten hier sei eine ganz Besondere, was durch die ungewöhnlich naturintensiven Umgebung noch verstärkt werde. Es würden nicht nur Fachkräfte für alle nur denkbaren psychosomatischen Erkrankungen – durchaus auch mal außerhalb der Klinik, wenn erforderlich – zum Einsatz kommen, sondern auch die Haltung der Patienten untereinander sei so extrem helfend und stützend wie er das vorher noch nie erlebt habe. Und das sei nicht nur ein Gefühl, sondern durchaus belegbar. Zum einen, weil es die ehemaligen Patienten mit außergewöhnlicher Anhänglichkeit immer wieder nach Waldleiningen ziehe. Zum anderen duch die Gründung der Sozialen Gemeinschaft „Das Boot“ als Verein durch Patienten. Und die Mitglieder dieses Vereins fangen deutschlandweit Patienten auf, die aus der Reha wieder ins eigene Leben entlassen werden. Entstanden ist diese „Nachtherapie“ ursprünglich aus der Freundschaft, die sich zwischen einer Gehbehinderten und einer Sehbehinderten in Waldleiningen entwickelt hatte und beiden in der gegenseitigen Unterstützung nur Vorteile brachte. Auf deren Anregung „Wir sitzen alle in einem Boot“, richtete die Klinik „Das Boot“ als feste Therapieform ein und die ehemaligen Patienten Gottfried, Jürgen und Rolf führten den Gedanken in Zusammenarbeit mit der Klinikleitung weiter in der Gründung des gleichnamigen Vereins. Ein ähnlicher Verein mit Sitz in Sinsheim, ebenfalls eine Soziale Gemeinschaft, aber unter dem Titel „Auch Du?!“, kann denselben Zulauf und Erfolg verzeichnen. Er unterscheidet sich vom „Boot“ durch die Bildung vor Wohngemeinschaft von Menschen in schwierigen Situationen, um ihnen unter Anleitung den Weg in ein geregeltes evtl. selbständiges Leben von ehrenamtlichen Mitarbeitern aufzuzeigen. Und Vereine dieser Art , so Stefan Schinkel als Regionaldirektor der Deutschen Rentenversicherung Heilbronn in seiner Ansprache bei der Eröffnung des Deutschen Reha-Tages in Waldleiningen,würden die Zukunft im psychosomatischen Bereich bedeuten. Selbsthilfegruppen dieser Art seien zusammen mit ambulanter Psychoterapie die ideale Nachsorge nach Klinikaufenthalten. Als bekanntestes Beispiel stehen dafür bisher z. B. die Anonymen Alkoholiker für eine Art der Suchterkrankungen. Dem Referat von Stefan Schinkel war die Begrüßung von Chefarzt Dr. Stephan Gelbhaar vorausgegangen, der auch für die unzähligen Hausführungen an diesem Tag verantwortlich zeichnete. Dabei lernten die zahlreichen Besucher, darunter unzählige ehemalige Patienten, so einige psychotherapeutische Therapieformen neu oder wieder kennen. Als Beispiele sind hier zu nennen: Selbstakzeptanz, Angstbewältigungs, Musiktherapie z. B. mit Trommeln ebenso wie Familien- und Kreativtherapie. Mitglieder des Vereins „Das Boot“ stellten ihre eigene und andere soziale Gemeinschaften und Selbsthilfegruppen vor, die Pflegeabteilung beteiligte sich mit Blutdruck- und Blutzuckermessungen. Fürst Andreas zu Leiningen stellte sich gerne den zahlreichen Fragen zur Familiengeschichte und zur wechselhaften Chronik des Hauses. Und die Deutsche Rentenanstalt informierte über ihr beispielhaftes Baden-Württembergisches Pilotprojekt mit Beratungsstellen in allen Großstädten über ambulante Therapieangebote oder Selbsthilfegruppen für alle Arten von Psychosomatischen Störungen, so z. B. auch für posttraumatische Belastungsstörungen. Und die AOK informierte über Leistungen in Sachen ReHa, ganz nach dem Slogan des Tages „REchtzeitig HAndeln“. Für kulinarische Nahrung sorgte dagegen in gewohnt perfekter Weise die Schloßküche in den fürstlichen Speisesäälen. (L.M.)