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"Villa Derfflinger heißt jetzt Villa Schulz"

Amorbach/Mudau. (lm) Während die gemeinnützige Joachim & Susanne Schulz Stiftung neben MINT-Bereichen in den Regionen Amorbach und Mudau auch Kultur und Kreativität fördert, bewiesen Vorstand, Kuratorium und die Stiftungsmitarbeiter ihren eigenen Ideenreichtum in der offiziellen Eröffnungsfeier der „Villa Schulz“, wie das als Villa Derfflinger bekannte Areal ab sofort heißt. Denn anders als traditionell üblich, wurde diese Eröffnung nicht mit Festreden eingeläutet. Die Gäste aus Politik, Wirtschaft und Bildung wurden in drei Gruppen aufgeteilt von Bernhard Springer (Lehrer an der Parzival Mittelschule in Amorbach und 1. Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Amorbach e. V.), Ann-Kathrin Schneider (freiberufliche Theaterpädagogin aus Walldürn, Kabarettistin, Rezitatorin und Sängerin) und Christof Kieser (Oberstudiendirektor, Schulleiter an der Helene-Weber-Schule in Buchen) mitgenommen auf eine kurzweilige Zeitreise über das Stiftungsanwesen. So lernten die Gäste auf unterhaltsame Weise die Entstehung und die Geschichte der Villa ebenso kennen wie die Stiftungsgründer. Gleichzeitig wurden die Projekte aus zehn Jahren Stiftungsarbeit präsentiert und zukünftige Konzepte vorgestellt. Drei Jahre lang war die 1907 erbaute Villa am Sommerberg in Amorbach nach Plänen von Ecker Architekten aus Buchen/Heidelberg generalsaniert und modernisiert worden. „Wir wollten den Charme der Villa erhalten. Dem Architektenehepaar Dea Ecker und Bob Piotrowski ist das in fünfjähriger Planungs- und Bauphase ganz hervorragend gelungen“, meinte Vorstandsvorsitzender Lars Bühring bei der symbolischen Schlüsselübergabe durch die Architekten an die ehrenamtlich tätige Vorstandschaft Dr. Lars Bühring, Monika Möller-Stegerwald, Hannes Wolf und Sofie Klopsch. Im Frühjahr 2021 waren die Umbaumaßnahmen weitestgehend beendet, doch die Pandemie durchkreuzte die Pläne der Stiftung, so dass man Veranstaltungen streichen bzw. auf 2022 verschieben musste. Mit der kreativen Eröffnungsfeier öffnete die Stiftung ganz offiziell am vergangenen Wochenende die Türen für die Bevölkerung aus der Region mit dem Wunsch, dass die Villa sich bald mit Leben füllen möge. Das Gelände umfasst 3.000 Quadratmeter Parkanlage, die sich wie die 500 Quadratmeter große Villa hervorragend für die verschiedensten Veranstaltungen eignen. Über vier Stockwerke verteilt befinden sich nun Ausstellungsräume, Gartensäle für musikalische Darbietungen, Lesungen und Vorträge, die Stiftungsverwaltung sowie Arbeits- und Übernachtungsmöglichkeiten für Stipendiaten. Das Stiftungsanwesen verfügt außerdem über ein erst 1994 erbautes Nebengebäude, das sogenannte Kutscherhaus. Hier werden im zukünftigen „Schülerforschungszentrum“ junge MINT-Talente aus dem Odenwald experimentieren und forschen können. Expirius, das MINT-Bildungsprogramm, wird hier außerhalb des seit 2014 in Kindergärten und Grundschulen etablierten Angebots, Räume für MINT-affine Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene schaffen. Was 1907 als Einfamilienhaus von Joseph Beyer, einem Frankfurter Industriellen, erbaut wurde, soll unter der Joachim & Susanne Schulz Stiftung zu einem Ort der Begegnung für Kunst und Kultur, Naturwissenschaften und Technik werden. Die jetzige Villa Schulz hatte in ihrer Vergangenheit einige Eigentümerwechsel und teils ganz unterschiedliche Nutzungen. Der Bauherr, Joseph Beyer, lebte hier bis 1926 mit seiner Familie, von da an bis 1945 war sie im Besitz des Fürstenhauses zu Leiningen und wurde vom Hausherr Karl zu Leiningen zur „Villa Derfflinger“ ernannt. 1939 diente sie als Unterkunft für „Reichs- und Volksdeutsche“ aus dem Ausland, ab 1945 wurde die Villa vom Orden des Allerheiligsten Erlösers als Seniorenheim genutzt und 1977 wurde sie schlussendlich von den Stiftungsgründern, dem Ehepaar Joachim und Susanne Schulz, erworben, saniert und liebevoll mit Antiquitäten eingerichtet. Die modernisierte Villa Schulz, in der so viele historische Elemente wie möglich erhalten wurden, dient der Stiftung nun als Werkzeug für ihre operativen Projekte und Veranstaltungsangebote, aber auch gemeinnützige Institutionen können die Räumlichkeiten für ihre eigenen Zwecke und Angebote nutzen. Neben der Antragsförderung, womit 2010 noch gemeinsam mit der Stiftungsgründerin, Susanne Everth-Schulz, alles begann, möchte die Joachim & Susanne Schulz Stiftung nun zukünftig auch junge Künstler und Wissenschaftler aus der Region unterstützen und Auswärtige in die Region locken. Ab 2022 wird das Kutscherhaus zum ersten Schülerforschungszentrum im Odenwald ausgebaut werden. Hier wird es Kurse und Freiräume für eigene MINT-Projekte geben. Daneben werden Ausstellungen, Kunst- und Kulturangebote und Aktionstage unter dem Slogan „Hier und jetzt: Klima. Zukunft. Gestalten.“ stattfinden. Damit will die Stiftung den Klimaschutz in der Region in den Fokus rücken und möglichst jeden Einzelnen zum nachhaltigen Handeln anstiften. Kulturell eröffnete Ann-Kathrin Schneider nach den Führungen die Eröffnungsfeier mit einer Darbietung des 1927 entstandenen Gedichts „Das Ideal“ von Kurt Tucholsky, dabei ging es um die Wünsche und Vorstellungen vom idealen Wohnort. Vieles darin vereint das Leben des Ehepaares Schulz, die vorhandenen Möglichkeiten im ländlichen Odenwald und die wichtige Erkenntnis, dass man im Leben meist nie alles haben kann. Das Ehepaar Schulz hatte fast alles, jedoch keine Nachkommen. Dies wiederum kommt der Region durch die Weiterführung des Unternehmens Aurora in Mudau und die Gründung der beiden Stiftungen (Joachim & Susanne Schulz Stiftung und Stiftung Susanne-und-Joachim-Schulz-Halle) zugute. Die Villa Schulz, wie sie ab sofort zu Ehren des Stiftungsgründerehepaares offiziell genannt werden wird, steht ab dem 1. Oktober, dem Tag der Stiftungen, allen Interessierten offen. „Mit der Villa Schulz gewinnt die Region einen neuen Ort der Begegnung. Die Joachim & Susanne Schulz Stiftung möchte zukünftig Impulsgeber sein für heranwachsende MINT-Talente und Künstler, für Ideen, die die Region um Amorbach und Mudau stärken. Wir wollen an die Vergangenheit anknüpfen, das Ehepaar Schulz in Ehren halten und Neues entstehen lassen.“ so Dr. Lars Bühring abschließend.