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"Der Klimawandel ist deutlich spürbar!"

Mudau. (lm) Noch nie war der Klimawandel in Deutschland so greifbar wie im vergangenen Jahr. Die Trockenheit und der heiße Sommer stellten die Natur in Baden-Württemberg vor große Herausforderungen. Über die Folgen dieser Klimaveränderung für die Natur in Baden-Württemberg und Möglichkeiten, dieser entgegenzuwirken, informierte Linda Lentzen aus Stuttgart vom „Dialogforum Erneuerbare Energien und Naturschutz“, ein Gemeinschaftsprojekt von NABU und BUND Baden-Württemberg. Eingeladen hatte der Heimat- und Verkehrsverein Mudau mit seinem Vorsitzenden Hans Slama die Öffentlichkeit in die Gaststätte „Goldene Olive“. Zu Beginn des interessanten und kurzweiligen Vortrages konnte Hans Slama auch in seiner Funktion als profunder Kenner der heimischen Zusammenhänge in der Natur neben einer stattlichen Zahl von Zuhörern auch Vertreter aus der hauptsächlich betroffenen Landwirtschaft und der Forstwirtschaft begrüßen. Baden-Württemberg erfreue sich einer reichen Naturvielfalt, betonte die Rednerin. Vom Oberrheingraben bis in die Höhen des Schwarzwalds bieten die vielfältigen Lebensräume im Land etwa 50.000 Arten ein Zuhause. Doch viele von ihnen seien vom Klimawandel betroffen. Linda Lentzen, Projektleiterin im „Dialogforum Erneuerbare Energien und Naturschutz“, erklärte weiter: „Besonders gefährdet sind Arten, die auf kühles und feuchtes Klima angewiesen sind und die in Mooren und anderen Feuchtgebieten leben.“ Auch die jahreszeitlichen Verschiebungen machen vielen Tieren und Pflanzen zu schaffen, beispielsweise dem Kuckuck. Kommt dieser, wie gewöhnlich, im Frühjahr aus seinem Überwinterungsgebiet zurück und sucht ein Gastnest für sein Ei, sind die Jungen der „Zieheltern“ oft schon geschlüpft. Denn wegen der milden Temperaturen beginnen Teichrohrsänger und Co heute bereits einige Wochen früher mit der Brut. Wird ein Kuckucksei jedoch unter bereits geschlüpfte Junge geschummelt, wird das Ei nicht mehr mit ausgebrütet, sondern aus dem Nest entfernt. Manche Wärmeliebenden Arten profitieren zwar auch von den Klimaveränderungen, je nach Art können diese wiederum aber auch eine Bedrohung für einheimische Arten darstellen oder zu Schäden führen. So begünstigen die milden Temperaturen problematische Insekten, wie Borkenkäfer oder Eichenprozessionsspinner. Deren Ausbreitung und Zunahme trifft die ohnehin durch die sommerliche Trockenheit gestressten Baumbestände besonders stark. Betrachtet man die Folgen des Klimawandels weltweit, ergibt sich ein noch drastischeres Bild: Meeresspiegelanstieg, Stürme und verheerende Dürren haben für Pflanzen, Tiere und Menschen katastrophale Auswirkungen. „Um die Folgen des Klimawandels zu minimieren, müssen die Klimaziele von Paris eingehalten und die Erderwärmung auf maximal zwei Grad beschränkt werden“, fordert deshalb Andrea Molkenthin-Keßler, ebenfalls Projektleiterin im „Dialogforum Erneuerbare Energien und Naturschutz“. Größter Treibhausgasemittent sei in Deutschland immer noch der Energiesektor. Neben dem Absenken des Energieverbrauchs insgesamt sowie der effizienteren Nutzung von Energie bleibe der Ausbau der Erneuerbaren Energien für sie ein wesentlicher Baustein für das Erreichen der Klimaschutzziele: „Ein naturverträglicher Ausbau der erneuerbaren Energien trägt maßgeblich zum Klima- und Artenschutz bei“, so Andrea Molkenthin-Keßler, „Artenschutz und Energiewende müssten zusammen gedacht werden.“ Bei der Planung von Windkraftanlagen könne die frühzeitige Berücksichtigung von Naturschutzbelangen Konflikte vermeiden. Eine wirksame Maßnahme zum Schutz vieler Vogelarten, darunter dem Rotmilan, sei beispielsweise ein ausreichender Abstand zwischen Horst und Windenergieanlage. Zudem könnten PV-Anlagen auf Freiflächen, deren Pflege an ökologischen Kriterien ausgerichtet ist, im Idealfall einen ökologischen Mehrwert im Vergleich zu intensiv bewirtschafteten landwirtschaftlichen Flächen bieten. Das Fazit der Teilnehmenden am Ende des Vortrages und in den anschließenden Diskussionen: „Der Klimawandel ist auch vor unserer Haustür spürbar – und nicht zuletzt kann jede und jeder Einzelne wichtige Beiträge zum Klimaschutz leisten, zum Beispiel durch den Umstieg auf Ökostrom, den Kauf regional produzierter Lebensmittel und den Verzicht auf Flugreisen“.

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Beiträge April 2019