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Eindrucksvolle Zeitreise im Ferdinandsdorf

Mudau. „Jetzt wäre die Gelegenheit doch günstig. Spätestens jetzt – wo über 80 Personen als Zeugen aussagen können, wie die „Hölzerlipsbande“ am Lagerfeuer vor dem so genannten „Felsenhaus“ beschließt, an der Bergstraße eine Kutsche zu „malochen“, um auf ewig schuldenfrei und reich zu sein, jetzt könnte man diese missratene Brut doch der Gerechtigkeit übergeben.“

Wenn diese große Zeugengruppe nicht so fasziniert von dem Theaterstück der Geopark Vorort-Begleiter gewesen wären, dann hätte das ihr Gedanke sein können. Doch dieser „Verrat“ aus dem März 2007 war ja gar nicht notwendig. Denn die Bandenmitglieder hatten sich über 100 Jahre zuvor hinreißen lassen und einen Schweizer Kaufmann beim Überfall umgebracht. Bis auf zwei sehr junge Bandenglieder, wurden alle geköpft. Aber das erzählte Geopark Vorort-Begleiter Hans Slama seiner großen interessierten Wanderschar dann auf dem Weg vom Felsenhaus zum Reisenbacher Grund, nachdem der Holzschnitzer Junghänel die eigens zu diesem Stück hergestellten Räuberfiguren aus Holz vorgestellt hatte. Zuvor hatten die schon bewährte Theatergruppe des Heimat- und Verkehrsvereins um Hans Slama, Alex Käflein und Georg Ott sehr glaubhaft Leben, Sprache und Einstellung der einst gefürchtetsten Räuber im Odenwald vorgestellt. Dieser außergewöhnlichen Bereicherung der Historischen Wanderung zu den Resten des verschwundenen Ferdinandsdorf war ein strammer dreistündiger Fußmarsch der munteren Gruppe vom Reisenbacher Grund ausgehend vorausgegangen. Diese Strecke nutzte Hans Slama, um die Teilnehmer über alte Straßen, Mühlen, Räuber, Jagd und Wilderer der Gegend, aber auch über Land- und Waldwirtschaft im Zusammenhang mit der Besiedelung des Odenwaldes zu informieren. Der passionierte Heimatkundler faszinierte seine Zuhörer mit dem lebendigen Wissen um Entstehung, um die ärmlichen Lebensverhältnissen, Brunnen und Gebäude bis hin zur Auflösung der Gemeinde und Abschiebung der Bewohner in andere Ortschaften sowie nach Amerika. Dabei sagte die damalige Beurteilung der leiningenschen Beamten, nach der Unterferdinandsdorf als einziger Ort so arm gewesen war, dass keine Wachen aufgestellt werden mussten, weil es einfach nichts zu stehlen gab, schon alles über die Situation des Dorfes in steiler Nordhanglage aus. Die historisch interessierte Wandergruppe zeigte sich absolut begeistert von der Veranstaltung und die meisten fragten nach, wann und wo weitere Angebote dieser Art genutzt werden können. (L.M.)