Schriftgröße: a a a | SitemapDatenschutz | Impressum | Kontakt
Seite drucken

Abendführung "Alter Schwede" kam bestens an

Mudau. Kanonendonner hallt durch Mudau. Georg Ott überbringt im Laufschritt den nahezu 100 Interessierten der Historischen Wanderung durch das Mudau des Jahres 1631 die Schreckensbotschaft: „Bringt Frauen und Kinder in Sicherheit, verrammelt Türen und Fenster, die Schweden sind im Anmarsch“.

Doch Geopark-Vor-Ort-Führer Hans Slama reagiert – ebenso wie die Obrigkeit vor bald 380 Jahren, indem er rät – vor allem den Damen -, einfach freundlich zu sein, dann würde es schon nicht so schlimm kommen. Doch wie ein altes Mudauer Wiegenlied noch heute erzählt, war das ein großer Irrtum: „Der Schwed is kumme, hot alles g’numme, hot Fenschder neig’schlache, hot Kuchel gegosse, hot Bauer schossen, wi di womm bomm, bomm“. Das besetzte Mudau hatte für Sold, Quartier und Verpflegung aufzukommen und aufgrund der Brutalität der Besetzer wurde die Bevölkerungszahl immer kleiner. Hauptsächlich auch, weil sich hier ein versteckter Konfessionskrieg aufbaute, bei dem die evangelischen Schweden auf eine erzkatholische und größtenteils einfältige Bevölkerung prallte. Kurzweilig, spannend, informativ und bei allem Ernst doch auch humorvoll präsentierten die beiden Geopark-Vorort-Begleiter, unterstützt von der Landsknechtsgruppe Merchingen, das Ambiente der damaligen Zeit. Als die Schweden Süddeutschland überrennen und mit großer Härte unbarmherzig plündern, morden und räubern Die historische Wanderung begann vor der heutigen Volksbank Franken und führte über den Bembel und den Platz vor dem Alten Rathaus (heutige Sparkassenfiliale), wo das Lumpenglöckle ertönte, und wo zu früheren Zeiten die Gerichtsbarkeit unter den Linden statt fand. Unter anderem erläuterte Hans Slama auch den Ursprung der Ausdrücke „Alter Schwede“, „schwedische Gardinen“, „das hat der Schwede da gelassen“ und ähnliche. Besondere Aufmerksamkeit erfuhren die mitgebrachten Waffen der Landsknechte von Merchingen. Ausführlich wurden die einzelnen Waffenarten und die Uniformen der damaligen Zeit erläutert. Musikalisch hatten die Landsknechte typische Lieder aus der Zeit des Bauernkrieges und der Schwedenbelagerung mitgebracht. Höhepunkt war dann das Abfeuern einer Muskete. Im Kronenhof schließlich erläuterte dann Georg Ott die Entstehung und die Verwendung der "Schwedenfeuer"-Hölzer. Diese hatten den großen Vorteil, dass sie überall verfügbar waren und nicht mitgeschleppt werden mussten. Dass man darauf auch bestens kochen und grillen konnte, wurde dem dankbaren Publikum eindrucksvoll bewiesen. Auf jeden Fall hatte die Veranstaltung bereits nach runden zwei Stunden eine ansehnliche Fangemeinde gefunden. (L.M.)