Schriftgröße: a a a | SitemapDatenschutz | Impressum | Kontakt
Seite drucken

Stationen markanter Persönlichkeiten besucht

Mudau. Ihre politische Meinung hätte wohl gegensätzlicher nicht sein können, ihre Wege kreuzten sich in Mudau, als der Odenwaldmaler Arthur Grimm mit seinen Ausstellungen gerade die größten Erfolge feierte, der Badische Staatspräsident, Reichsfinanzminister und spätere Präsident der Landesverwaltung Nordbaden, Dr. Heinrich Köhler dagegen als politisch Verfolgter Unterschlupf fand.

Ihre Charaktere und Lebensläufe wiesen jedoch zahlreiche Parallelen auf. Beide waren sie „in ihrem Job“ erfolgreich, beide handelten im christlichen Glauben, waren enorm heimatverbunden, stolz auf ihr Land und hervorragende Schriftsteller. Dies erläuterte Hans Slama, Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins sowie Geopark Vorort-Führer, seinen überaus interessierten Zuhörern am Mudauer Rathaus, und gab ihnen gleichzeitig einen kurzen Einblick in die Lebensdaten. Arthur Grimm lebte von 1883 bis 1948. Der gebürtige Mudauer war vom strengen Vater zum Volksschullehrerberuf gezwungen worden, den er nach dem Tod des Vater aufgab, um Kunst zu studieren. Kenner der Kunst wurden schon früh auf ihn aufmerksam. 1908 erhielt Grimm das Ehrengehalt des Vereins der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein, 1909 für das Gemälde „Rheinbrücke in Säckingen“ den Großen Preis der Rheinlande. Seine Reisen führten ihn nach Berlin und Paris, Südfrankreich und Italien. In Baden-Baden heiratete er Stefanie Brenner und veröffentlichte das schöne Bilderwerk „Baden-Baden in 100 Zeichnungen“. 1932 kehrte der Mitbegründer der Hollerbacher Malerkolonie und überzeugte NSDAP-Anhänger nach Mudau zurück. Im gleichen Jahr erhielt er den badischen Staatspreis, doch mit Ende des Krieges wurde ihm die Ehrenbürgerschaft aberkannt, und erst kurz vor seinem Tod wieder gewährt. Noch heute halten der Neckar-Odenwald-Kreis und die GHWRS Mudau sein Andenken mit dem Arthur-Grimm-Preis für besonders musisch-ästhetische und künstlerische Leistungen hoch. Dr. Heinrich Köhler (1878 bis 1949) traf den Odenwald-Maler in Mudau zwischen 1943 und 1945. Der Badische Staatspräsident, Reichsfinanzminister und spätere Präsident der Landesverwaltung Nordbaden als Zentrumspolitiker bekennender Katholik und Reformer und fand in dieser Zeit als politisch Verfolgter in Mudau Unterschlupf. Köhler gilt noch heute als Vater des Südweststaates, dem heutigen Baden-Württemberg. In seine Amtszeit fielen die Inflation und die Elektrifizierung unseres Raumes sowie die Neuorganisation der Forstverwaltung. Vom Rathaus aus führte Hans Slama die über 30 Teilnehmer im Rahmen des Mudauer Sommerprogramms „auf den Spuren von Arthur Grimm und Dr. Heinrich Köhler“ über einen Rundgang, der alle markanten Stationen der beiden bedeutenden Persönlichkeiten beinhaltete, durch die Gemeinde. Das „Deutsche Haus“ gehörte ebenso dazu wie die Volksbankfiliale, diese allerdings erst im nachhinein durch die Einrichtung eines Besprechungsraumes mit dem Namen des Künstlers, dessen Bilder auch die Wände zieren. Das Geburtshaus von Arthur Grimm in der Hauptstraße, ehemals Bäckerei Röckel, ist lediglich durch eine kleine Gedenktafel erkennbar. Unzählige Anekdoten, Geschichten und Fakten brachte Slama seinen Zuhörern näher. Weitere Stationen waren beim Alten Rathaus, der Kirche, dem Postgebäude, dem sogenannten „Köhler-Haus“ bzw. „Café Link“, auf dem Friedhof und schließlich beim Café „Waldfrieden“, dem ehemaligen Waldhaus von Arthur Grimm, wo Emil Baader in der gemütlichen Wirtsstube eine Arthur-Grimm-Heimatstube eingerichtet und dem damaligen Bürgermeister Bucher in Obhut gegeben hatte „aus Dankbarkeit zur dem großen Künstler, den ich hoch verehre und aus Freude über die Dokumente des Humors und der Heiterkeit, die er uns aus seinem reichen Schaffen hinterlassen hat“. Und hier erwartete das Wirtsehepaar Heinrich eine besondere Überraschung, denn Hans Slama überreichte den beiden als Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins ein Hinweisschild „Arthur-Grimm-Stube“ als Ersatz für das Schild, das vor etlichen Jahren von irgend jemanden entwendet worden war. „Damit auch die Jugendlichen wieder wissen, wo in Mudau die Arthur-Grimm-Stube ist.“, so Hans Slama abschließend. (L.M.)