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Heimische Hausschätze "mundgerecht" präsentiert

Mudau. Unter dem Motto ,,Heimische Hausschätze in Mundart und Hochsprache“ lud die Gemeinde Mudau in enger Zusammenarbeit mit der Bürgerstiftung und dem Heimat- und Verkehrsverein zu ihrem zweiten Literarischen Spaziergang ein.

Und wie im vergangenen Jahr, gab es auch diese Ausgabe im Doppelpack, wobei die Premiere am vergangenen Sonntag tatsächlich als Spaziergang vom Schulhof zum Rathaushof über den Gänsebrunnen im Bembel und den alten Rathausbrunnen, durch die Hauptstrasse Richtung Friedhof mit Ehrenmal, durch den Wellerpfad und über sein angrenzendes Mudbrückle zurück zum Schulhaus durchgeführt werden konnte, die Wiederholung am darauffolgenden Dienstag jedoch wegen der Wetterverhältnisse eher mental in der Aula der Grund- und Haupt- mit Werkrealschule stattfand. Beide Varianten genossen die zahlreichen Teilnehmer, darunter Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger, die Rektoren Ernst Hauk, Roman Andres und a.D. Kurt Hirschner sowie die Konrektoren Walter Herkert und a. D. Gerhard Kistner. Ebenfalls mit von der Partie waren die Lyrikerin Margot Peterhänsel sowie als Coautoren des Programms Hans Slama, Joachim Mai und Wilhelm Grote. Hauptursache dieses all umfassenden Genusses waren die „märchenhaften“ Gebrüder Grimm (Roland und Harald) als erfahrene Interpreten der überwiegend heimischen Literatur, aber auch Mundartpreisträgerin Elisabeth Sandel, bekannt als Liedermacherin der Region und selbständige Psychotherapeutin aus Waldauerbach mit ihren jüngsten musikalischen Kreationen, beginnend mit dem weisen Rat „No nemme mer mol es Tempo raus“. Es gibt literarische Kleinkunst, die gar nicht für eine breite Öffentlichkeit gedacht war, aber nach unserer Meinung nicht länger im Verborgenen bleiben soll“, betonte Gernot Hauk bei seiner Begrüßung im Schulhof. „Von Mudauern für Mudauer geschrieben“, stellte man Texte vor, die kaum gelesen und so noch nie gehört worden waren. Der geschichtsträchtige und sehr ernste Teil dieses umfangreichen Programms erzählte mit den Worten von Arthur Bauhardt vom grausamen Schulhausbrand am 27. März 1945 durch Fliegerangriff und erinnerte so manchen, der diese Zeit als Kind mit erlebt hatte an Einzelheiten, die man gerne vergessen würde. Auch der Weg durch den einst unwirtlichen Odenwald „auf der Hohen Straߓ von Mudau nach Amorbach war nach der Beschreibung von Joachim Mai, Leiter der Straßenmeisterei Buchen nicht wirklich einladend. Auch die „Odyssee“ der heimatvertriebenen Martha Eibner, die letztendlich in Mudau landete machte betroffen und musste ebenso verdaut und verarbeitet werden wie die Kriegserlebnisse „Und es wurde wieder Sommer“ des ehemaligen Chefs der Donebacher Sender, Wilhelm Grote, bekannt auch als Prädikant und Vorsitzender des evangelischen Kirchengemeinderats. Weniger Dramatik, dafür oft humorvoll, auf jeden Fall aber sehr literarisch muteten dagegen Margot Peterhänsels zeitloses Gedicht über „Freundschaft“ sowie von Irmgard Rippberger-Gatscha „Die Zeit“ und „Gänsesprache“ an. Ebenso beeindruckend waren die literarischen Aufzeichnungen des Heimatmalers Theodor Schöllig über „Brünnlein im Walde“, „In der Waldecke“ oder „Wildenburg zur Dämmerstunde“. Amüsante Mundart in Gedichtform präsentierten die „Gebrüder Grimm“ mit „Der Kater und die Maus“, „Das verlorene Loch“ oder „Der Blutdruck“, geschrieben von Mutter Amalie. Ebenfalls zum Schmunzeln, wenn auch durchaus dem realen Alltag von ca. 1870 durch den profunden Heimatkundler Hans Slama entnommen, hörte man von den Vieh- und Strohmärkten bei den Mudauer Klammhörnli und Halbherren. Ganz sicher ausschließlich zum Heben der guten Laune ihrer Leser hat Runhild Hauk die Geschichte der „Mud-Probe“ ihrer sechs Racker und die ihres übereifrigen Gatten beim Heckenschneiden nieder geschrieben – und das mit großem Erfolg. Besonders kurzweilig wurde dieser Literarische Spazierganz neben der unübertrefflichen Erzählkunst von Roland und Harald Grimm, vor allem durch die ebenso humorvollen wie nachdenkenswerten Texte der Liedermacherin Elisabeth Sandel, die mit ihrer glasklaren, hellen und doch kräftigen Stimme vom „Störenfried Heiner“, der modernen Plastik- und Computerwelt, „Und wir wollen es so mit aller Kraft“, aber auch vom „Tanz mit der Zeit“ oder „Die Mühe ist der Lohn“ singend berichtete. Alles in allem ein Bonbon des Mudauer Sommerprogramms, das sich nahtlos an die erfolgreichen Aktionen der Organisatoren anschließt. (L.M.)