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Begeisterung pur beim Kolpingtheater

Lachsalven hatte die Mudauer Kolpingfamilie zur Aufführung des Lustspiels „Endlich sen die Weiber fort“ versprochen und tatsächlich bebte die Odenwaldhalle bei allen drei Aufführungen in ihren Grundfesten, nachdem sie jedes Mal nicht nur ausverkauft war, sondern sogar mehrfach nachbestuhlt werden musste. Die Geschichte erzählte vom anstehenden Ausflug des Frauenbunds übers Wochenende nach Hamburg. Vor allem bei den dazu gehörigen Ehemännern herrschte Vorfreude –etwas zu früh – über die sturmfreie Bude während dieser Zeit. Sie dachten sich einen wilden Plan für den Samstag aus: Gesellige Runde, mit viel Bier und sogar eine Stripperin sollte kommen. Als der Plan zu scheitern drohte, weil die Damen plötzlich darauf bestanden, dass ihre Männer sie begleiten sollten. Zwar konnte eine „akute männliche Krankheitswelle“ dieses Vorhaben verhindern, doch die Herren der Schöpfung hatten nicht mit dem nahezu unerschöpflichen Einfallsreichtum ihrer Ehefrauen gerechnet, wenn es darum ging, die vermeintlichen Machos unter Kontrolle zu halten. Einer dieser Möchte-gern-Machos war Schreinermeister Bert, den Gerald Hemberger in gewohnt routinierter Manie humorvoll konservativ darstellte. Eben einer, der unterm Pantoffel steht und doch so gerne mal aus dem Alltag raus und was erleben will. Genauso wie sein bester Freund, der lustige Bäckermeister Karl, den Stefan Galm solide und überzeugend interpretierte. Als Dritter in dem lebenslustigen Männerclub war da noch der Taubenzüchter und Mesner Lorenz, dessen leichtsinnige und etwas frivole Lebensart Dank Mario Gaibler hervorragend beim Publikum ankam. Die dazugehörigen Damen, die nicht so einfach hinters Licht zu führen hatten beide ein glanzvolles Theaterdebüt bei der Kolpingfamilie. So glänzten wirklich genial Andrea Thier als Renate, der rührigen und arbeitsamen Frau von Bert, und Corinna Schwing überzeugend als die dominant resolute und redselige Frau von Lorenz, namens Irmi. Und die ließen zur Überwachung ihrer Männer nichts unversucht, und engagierten gleich mehrere Aufpasser für ihre Männer. Zum einen „Tante Rita“, der geordnete Verhältnisse über alles gehen, wie Ursula Link in einem starken Auftritt während des turbulenten Geschehens dokumentierte. Als zweites die Schwester des Pfarrers, denn die Theres sorgt als „Moral des Ortes“ für Zucht und Ordnung und bescherte Michaela Kistner nicht nur eine Traumrolle, sondern dem Publikum eine einzigartige Darbietung. Und schließlich wurde noch Berts Sohn Simon „eingekauft“, der nicht nur schlagfertig und intelligent nach allen Seiten agierte und dazu noch profitierte, sondern dem es auch gelang, die ablehnende Haltung von Mutter Renate gegenüber seiner Freundin Eva – natürlich charakterisiert durch Martina Drabinski mit ruhiger und doch selbstbewusster Ausstrahlung – zu korrigieren. Gleichzeitig gelang es seinem Darsteller Daniel Herkert mit der überragenden Verwandlung vom Mann zur „Bauchtänzerin“ den Höhepunkt des Stücks perfekt zu pointieren. Und noch einer profitierte in der Geschichte, und zwar der gutmütige Pfarrer, dessen unglaublichen Wandel von der Unterwürfigkeit zur Dominanz gegenüber seiner Schwester Timo Huberty grandios auf die Bühne brachte. Mit diesem Schwank in drei Akten unter Regie von Roman Andres und Gesamtleitung von Manfred Dambach, dürfte das Kolping-Theater-Team alle bisherigen Besucherrekorde übertroffen haben. Was auch Soufleuse Ursula Andres, Maskenbildnerin Beate Volk sowie dem Bühnenbild-Technik-Team Helmut Hahn, Manfred Dambach, Thomas Galm, Karlfred Linz, Thomas Streun, Alfred Breunig und Marc Mechler zu verdanken war. (LM)