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Rolf Miller begeisterte das Publikum

Mudau. Ein einsamer Stuhl auf der Bühne und ein Mikrofon – mehr braucht er nicht an Requisiten, lässig im eben diesem Stuhl „hängend“ sinniert er in seinem neuesten Programm „kein Grund zur Veranlassung“ im nordbadisch-fränkischen Dialekt über die Risiken des Lebens und den Wahnsinn des Alltags.

Etwas stockend, manche Sätze gar nicht beendend – oder ganz anders als erwartet, und immer den nicht zu überhörenden Ton von Resignation in der Stimme, brachte der aus Funk und Fernsehen bekannte Kabarettist Rolf Miller sein Publikum in der Mudauer Odenwaldhalle dazu, Unmengen von Lachtränen zu vergießen. Er ist also nicht ohne Grund als „Meister des unfreiwilligen Humors“ bekannt. Keiner konnte sich diesem – meist hilflosen Dackelblick - mit den Hush-Poppy-Stirnfalten entziehen, der bei allem Leid doch die Weißheit der Welt in sich barg. Wem Rolf Miller bis dahin noch kein Begriff war, der verstand spätestens jetzt, warum die vom Gesangverein „Frohsinn 1842“ Mudau organisierte Veranstaltung bereits drei Tage nach Eröffnung des Kartenvorverkaufs ausverkauft war. Rolf Miller stammt aus Walldürn, „wo es ganze Joahr Progamm isch. Faschnacht un Wallfahrt im Wechsel, un ma weiß net immer, was grad läuft. Denn es gibt immer einen Umzug, nur bei der Wallfahrt isch der Wimpel größer“. Tatsächlich ist Rolf Miller das Chaos des täglichen Lebens ein Rätsel, ein Buch mit sieben Siegeln. Zum Beispiel das Leben der „ganz Gsunden“ und „ganz Gscheiten“. „Die lebe so gsund, die müsse Ängscht hewwe, dass se net sterbe“. Andererseits, „wenn so eigfleischte Vegetarier so alt werre wolle wie se aussehe, dann wird’s recht“. Das größte Problem dieser ganz gsunde Gscheite bleibt aber nach Ansicht Millers der ständige Geldmangel. Schließlich kostet der ganze esotherische Kram – oder wie immer man das nennen will – eine ganze Menge. Ebenso wie die diversen Räucher- und Rauchwaren und der Schnickschnack drumrum. Und er selbst weiß, dass bei so einer Ökofrau deren eigene Schwester, die auf der Bank arbeitet, keinen Kredit mehr gibt – „Einwandfrei – oder?“ Es sei ja bekannt, dass wenn man heutzutage einen Kredit von der Bank haben will, man erst nachweisen muss, dass man das Geld gar nicht braucht. Doch nicht nur um die kleinen Probleme des Alltags zermarterte sich Miller das Hirn, sondern auch mit der „Großen Politik“, mit den Bin „Sunschtwos“ und Bush. Obwohl die Deutschen nicht an diesem Krieg beteiligt waren, war ihm schon immer klar gewesen, dass „mir des auch so gwinne“. Man könne ja dem Koran noch nicht einmal entnehmen, wie man anständig einen Faschingsumzug überlebt. Bei all seiner Sinniererei, die über zwei Stunden andauert und damit hart an der Grenze zum Zwerchfellkollaps des Publikums liegt, und auch ohne „einen Grund zur Veranlassung“ begleiteten ihn immer wieder seine imaginären Freunde Jürgen und Achim, die aus guten Grund nicht mehr miteinander sprechen, aber hervorragend in die unterschiedlichsten Charakterfächer passen. Für die Sänger des Gesangverein „Frohsinn 1842“ Mudau bedeutete dieser Abend einen ersten Schritt zur Verwirklichung ihres „Bauvorhaben Sängerheim“ nach dem Grundstückserwerb in der örtlichen Hauptstrasse. Und wenn man den Grad des Erfolgs als Barometer für die weiteren Schritte annehmen will, rückt die Einweihung des Probenlokals in greifbare Nähe. (L.M.)