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"Amnesie für Fortgeschrittene" in Schloßau

Schloßau. (lm) Nicht nur die Auswahl ihrer Stücke ist etwas ganz besonderes, sondern auch ihre Talente als Laiendarsteller. Die Truppe des Schlossemer Strouhbischel-Theater ist nicht umsonst jedes Jahr bei ihren Vorstellungen komplett ausverkauft, und zwar relativ schnell nach Öffnung der Vorverkaufsstellen. So auch in diesem Jahr. Dabei war es schon fast ein Wunder, dass das Publikum nicht vom Strom der Lachtränen bei dem Drei-Akter „Amnesie für Fortgeschrittene“ von Karl-Heinz Alfred Hahn in der örtlichen Schulturnhalle weg geschwemmt wurde. Das Stück schien vor allem Klaus Scholl fast auf den Leib geschrieben zu sein, denn es brachte seine Begabung als „Mann der 1.000 Stimmen und Charaktere“ voll zur Geltung. Innerhalb von Sekunden wechselte er in Person des Alfred Heinze die Persönlichkeit von Einstein über Romeo, Wallenstein, Heinz Rühmann bis hin zu Marcel Reich-Ranicki, Helmut Kohl, Edmund Stoiber oder sogar Benjamin Blümchen, Udo Lindenberg, Franz Beckenbauer oder Winnetou. Doch zur Geschichte: Eben dieser Alfred Heinze kommt nach einem Unfall in die Klinik Bruchfeld. Durch einen Schlag auf den Kopf leidet er an einer seltenen Form von Gedächtnisschwund. Immer, wenn er einschläft – und das ist oft – erwacht er anschließend als irgendeine fremde Person. Normalerweise als jemand Prominentes aus Funk, Fernsehen oder Literatur. Zum Leidwesen seiner näheren Umgebung erinnert er sich an sich an nichts aus seinem wirklichen Leben. Zu diesen Menschen gehört an erster Stelle seine Verlobte Ulla Schmidtke alias der glaubhaft besorgten Lorena Stuhl, dann seine Mitpatienten Ignaz Besenbinder – den Bernd Grünwald als gar nicht auf den Kopf gefallenen Kumpel perfekt darstellte – und Kurt Klopfer, der durch einen leicht aus der Haut fahrenden und außerordentlich knitzen Martin Stuhl zum Leben erwachte, sowie Krankenschwester Veronika alias Sabrina Miltner als gute Seele der Klinik. Die immer leicht überforderte Chefärtin der Unfallklinik Bruchfeld Dr. Mechthild Wusler wurde charakterisiert durch Hella Kizmann. Als ein Dieb sein Unwesen in der Klinik treibt und Kommissar Reiner Zufall– genetisch irgendwie mit Columbo verbandelt und so auch grandios von Michael Balles gespielt - nur noch ratlos auf seine kalte Zigarre starrt und den Trenchcoat flattern läßt, beschließen Besenbinder und Klopfer, sich Alfreds Kapriolen bei der Klärung des Falls zu Nutze zu machen. Was aber gar nicht so einfach ist, weil er in der Unberechenbarkeit seiner Personenwahl schwerlich zu beeinflussen ist. Das ist zwar gut für die Wettkasse von Kurt Klopfer, aber schlecht für Ganovenjagd. Schließlich weiß man nie, ob Alfred als Sänger, Bundespräsident, oder Elefant aufwacht. Doch der clevere Ignaz Besenbinder findet eine Möglichkeit und einen guten Plan und so schafft der ahnungslose Alfred es schließlich als Winnetou zusammen mit seinen „Verbündeten“ die Oberschwester Hiltrud – die durch Marianne Mechler als zackiger Klinikfeldwebel lebendig wurde – als Klinikräuberin zu entlarven. Im Hintergrund wurden die Darsteller des Strouhbischel-Theaters unterstützt von den Souffleuren Stefanie Scheuermann und Markus Breitinger.