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Römertage - Festabend

Schloßau. Immer wieder musste die Bestuhlung im Schloßauer Schulhof aufgestockt werden. Es scheint ziemlich sicher, dass dieses neue römische Zentrum noch nie zuvor so viele Menschen auf einmal gesehen hat.

Unter den ebenfalls zahlreich erschienenen Ehrengästen begrüßte Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger vor allem Ehrenbürger Joachim Schulz, Dr. Wolfgang Hauck als Beigeordneten der Stadt Buchen, den Museumsbeauftragten Dr. Jörg Scheuerbrand, vom Regierungspräsidium Karlsruhe – Referat Archäologische Denkmalpflege Dr. Britta Rabold und Siegfried Reising sowie Vertreter der Kirchen, Schulen und zahlreicher Heimat- und Geschichtsvereine. Das Gemeindehaupt zeigte sich überaus erfreut, dass diese „geschichtsträchtige“ Veranstaltung durch die Dorfgemeinschaften Schloßau und Waldauerbach mit ihren zahlreichen ehrenamtlichen Helfern umgesetzt werden konnte. Ortsvorsteher Herbert Münkel übernahm die Funktion des römischen Moderators und dankte allen Aktivisten für die tollen Ideen. Eine dieser Ideen war ein Ziegel, selbst gebrannt im Tonbrennofennachbau und nach Originalvorlage des Schloßauer Fundes mit der Aufschrift: „22. Legion Primigenia, in Treue und Frieden“. Dieser wurde als Erinnerungsdankeschön an die Teilnehmer der Römertage ausgegeben. „Herbertus Münkelus“ machte weiter darauf aufmerksam, dass die Einnahmen aus den Römertagen für Räumlichkeiten verwendet werden sollen, in denen die Funde aus Schloßau einmal ausgestellt werden können. Dr. Britta Rabold, Ausgrabungsleiterin in Schloßau trug ihren Teil zum Römerfest mit den Ausführungen zu den Grabungserkenntnissen bei. Doch sie zollte den Schloßauern auch Lob und Anerkennung für die Anstrengungen, die unternommen wurden, um das römische Leben so autentisch wie möglich darzustellen. Dabei stellte sie vor allem die Nachbauten von Streifenhaus, Tonbrennofen und Katapult in den Vordergrund. Dr. Rabold beschrieb den Odenwaldlimes als die 70 Kilometer lange Grenze von Obernburg bis Bad Wimpfen als Demarkationslinie mit über 80 Wachttürmen. Weiter betonte die Archäologin noch einmal, dass die Ausgrabungen in Schloßau völlig neue Perspektiven über die Zeit vor rd. 2000 Jahren eröffnet hätten. Hilfreich waren dabei die Funde über die Zivilsiedlung mit vier Tonbrennöfen, einer davon mit einer kompletten Fehlbrandfüllung, mit Stempeln und vielem mehr. Weiter die unglaublich breite, mit Rotsandsteinen gepflasterte Straße und zahlreiche Hinweise auf andere Handwerke. Von den Streifenhäusern waren bisher fünf gefunden worden. Jedes maximal neun Meter breit und 20 Meter lang. Abschließend wies Britta Rabold darauf hin, dass die Ausstellung der geborgenen Funde im Mudauer Rathaus noch bis 4. September zu bewundern sei. Für den Streifenhausnachbau hatten die Schloßauer eine Zimmermannsklasse der Theodor-Frey-Gewerbeschule Eberbach gewinnen können, die es sich nicht nehmen ließ, das kunstvolle Gebäude mit einem Richtspruch ganz traditionell einzuweihen. Ortsvorsteher Münkel dankte Oberstudiendirektor Andresen für dessen Entgegenkommen, Ludwig Fuhrmann für die Erstellung der Pläne und dem technischen Leiter des Schülerprojekts Fabian Fahr für den engagierten Einsatz in der Bauleitung. Klassensprecher Roman gab vor seinem Richtspruch nähere Informationen. Demnach hatten Aufrichtung und Aufschlagen des Streifenhauses nur zwei Tage gedauert, und seien Dank der zünftigen Verpflegung durch die Schloßauer mit viel Geselligkeit ein echtes und unvergessliches Vergnügen für alle gewesen. Doch die Vorbereitungsarbeiten in der Schule hätten sich aufwändig, mühsam und relativ langwierig gestaltet. Allein Tausende der Holzschindeln zu fertigen, sei ein Kapitel für sich gewesen. Seinen besonderen Dank richtete Roman an den örtlichen Zimmermannsmeister Edmund Speth, der trotz seiner 71 Jahre immer der erste auf dem Bau war und eine Bereicherung für alle. Der originalgetreue Wachtturm, den man noch fertigen wollte, sei aus Kostengründen nur in Modellform zustande gekommen, doch dieses Modell stand nun in Schloßau zur Versteigerung frei und hatte dem Zimmermannsnachwuchs zumindest einen Preis eingebracht. Buchens Beigeordneter Dr. Wolfgang Hauck wünschte den Schloßauern in seinen Grußworten vor allem Glückauf für die weiteren Ausgrabungen. Museumsbeauftragter Dr. Jörg Scheuerbrand ergänzte, dass der Odenwaldlimes aus der Archäologischen Forschung nicht mehr weg zu denken sei. Wie sehr sich die historischen Gruppen mit Details aus der darzustellenden Zeit beschäftigen, zeigten die Erläuterungen der Römergruppe aus Großkrotzenburg, denen man entnehmen konnte, dass die Römer sich ihres Standes und Wohlstandes sehr bewusst waren. Arrogant betitelten sie die Germanen als „Barbaren“ – schon wegen der einfacheren Gewandung – und sie sicherten ihr Vermögen durch Wachttürme am Limes. Der Aufwand, den die Schloßauer Römertage erforderte hatten, verlangte nach entsprechender Würdigung der „Hauptaktivisten“. Ortsvorsteher Herbert Münkel bedauerte zwar, nicht das ganze Dorf auszeichnen zu können, denn das würde den finanziellen Rahmen der Veranstalter bei weitem sprengen. Stellvertretend würdigte er die Verdienste von Bernadette Reinl, die mit ihrem Team über 350 römische Gewänder kreiert und genäht hat. Weiter Ulrike Mechler, die sich mit einem Mitarbeiterinnenstab um die römische Frisurenmode verdient machte, das Handwerkertrio Karl Laber, Dieter Fertig und Edmund Speth hatte nach einer Kohlezeichnung den funktionierenden Tonbrennofen erstellt und Otto Breitinger zeichnete für alle Bühnenbauten verantwortlich sowie für den „Tiere der Heimat“-Zoo. Gernot Grimm wurde als maßgeblicher Festorganisator gewürdigt, Ilona Friedrich-Stuhl für die reibungslose Bewältigung der Bürokratie und Klaus Scholl für die Erstellung des ansprechenden Flyers und des amüsanten Theaterstücks, das den krönenden Abschluß des Festabends lieferte. Klaus Scholl, martin Stuhl, Bernd Grünwald, natalie Trunk und Angelika Röchner lieferten dem begeisterten Publikum zusammen mit Souffleuse Silvia Brech eine römisch angehauchte Mischung aus Satire, Ortsgeschehen, großer Politik und Comedy – ganz nach der Handschrift des Autors. Da ermahnt Claudius Bockschuß seinen Trinkkumpanen „gscheid un net sou gschwolle zu schwätze“ bei einem Glas „Sumpfen Nordhang, von der Sonne verschont“. Sie schimpfen – ganz nach Stammtischart – über Joschkus Fischus und die Ochsenkarrenmaut, und zusammen mit Gallius Spiritus, der „wenig, aber oft und dann viel“ trinkt über die Eigenmächtigkeit der Ortsregierenden z. B. bezüglich Schließen der örtlichen Schule. Applaus und Gelächter hielten sich bei dieser Präsentation die Waage, doch beides war ohrenbetäubend und lang anhaltend. Einen besseren Abschluß des ersten Abends von „Feste feiern wie die Römer“ hätten sich die Schloßauer nicht ausdenken können. (L.M.)